Tabelle B: Gesellschaftliche Strukturen
| Bedingung / Folge | Rate / Zustandsgröße / Bezugspunkt | ||
| Name:
Erläuterung
des |
die sozialen Strukturen werden zum einen durch den Familienverband aber auch durch das Verhältnis zum Großgrundbesitzer (= Patron) - Sozialsystem der Fazenda - geprägt, ferner spielen die normative Sozialstruktur und der soziale Rhythmus eine wichtige Rolle Wohnpächter und Kleinbauern weisen das höchste Migrationspotential auf, migrationshemmend wirkt bei diesen Bevölkerungsgruppen jedoch die starke Familienbindung; alle Familienmitglieder gehören zum Arbeitskräftepotential (WAVES-Statusbericht Bd. I, S. 21) das Entwickeln von Handlungsstrategien setzt sowohl eine realistische Einschätzung der eigenen Lebenssituation als auch persönliche Planung und Zielvorstellung voraus, jedoch ist eine konkrete Lebensplanung bei der ländlichen Bevölkerung im Nordosten Brasiliens vermutlich nicht vorhanden perspektivische Sichtweisen sind gekoppelt mit Wünschen, Hoffnungen, Erfahrungen (soziale Strukturen, Mentalität) | persönliche Planung / Zielvorstellung sind Bezugspunkte für soziale Strukturen | |
| . | . | soziale Strukturen sind | . |
| Erläuterung der | durch Seßbarmachung werden soziale Strukturen gefestigt | Folge von Seßbarmachung | |
| Beziehung: | Männer wandern ab und übernehmen danach nicht mehr die Versorgung der Familie; Nachzugsrhythmen finden kaum statt | Folge von Migration | |
| Arbeiter pachten Land, für das sie beim Grundbesitzer arbeiten müssen; "Die Landbesitzstruktur bedingt eine bestimmte Sozialstruktur (Verhältnis von Eigentümern, Pächtern und Landarbeitern)" (WAVES-Statusbericht Bd. I, S.21) | Folge von Landbesitzstrukturen | ||
| über das gesamte Land gibt es ein soziales Netz, das hilft, kurzzeitige Krisen zu überwinden (zirkuläre Migration) | Bedingung für (zirkuläre) Migration | ||
| Bedingung / Folge | Rate / Zustandsgröße / Bezugspunkt | ||
| Name:
Erläuterung
des |
drückt sowohl die ökonomische Notsituation der ländlichen Bevölkerung als auch die mangelnden Entscheidungsmöglichkeiten in der Gestaltung ihrer Lebensbedingungen aus Verelendungsprozeß ist Ausdruck der Drucksituation Existenzminimum ist eine Grenze im Verelendungsprozeß, wird sie unterschritten, ist sie Auslöser für Migration; das physische Existenzminimum (WHO) kann nur gewährleistet werden, wenn Wasser in ausreichendem Maße verfügbar ist, steht z.B. in Dürrezeiten nicht genügend Wasser zur Verfügung, kann das physische Existenzminimum unterschritten werden und es tritt eine soziale und wirtschaftliche Drucksituation (Verelendungsprozeß) ein die sog. Ritualisierte Landwirtschaft, die in Zeiten sozialer und wirtschaftlicher Drucksituation praktiziert wird, ist als Krisenphänomen anzusehen; gleichzeitig trägt sie dazu bei, daß der Verelendungsprozeß voranschreitet | soziale und
wirtschaftliche
Drucksituation ist eine
Zustandsgröße Verelendungsprozeß ist eine Rate das physische Existenzminimum ist ein Bezugspunkt | |
| soziale und wirtschaftliche Drucksituation ist | |||
| Erläuterung der Beziehung: | eine durch den Wegfall von Erwerbsarbeit verursachte unzureichende Einkommenssituation kann Auslöser für soziale und wirtschaftliche Drucksituation sein, die Bevölkerung hat nicht die Möglichkeit etwas zu sparen, das Erwerbseinkommen "reicht gerade zum Leben" | eine Folge der Einkommenssituation | |
| soziale und wirtschaftliche Drucksituation wird durch die sich verschlechternde Einkommenssituation in Trockenzeiten bedingt; nach einer Trockenheitskrise ist der Rückschlag kaum aufzuholen | eine Folge mangelnder natürlicher Wasserverfügbarkeit (Trockenheit) | ||
| soziale und wirtschaftliche Drucksituation löst Migration aus; Migration wird als eine Problemlösungsstrategie angesehen | eine Bedingung für Migration | ||
| über die Geburtenrate ist die soziale und wirtschaftliche Drucksituation eine der Bedingungen für den Anstieg der Bevölkerungszahl: "in Krisenzeiten werden die meisten Kinder geboren" | über Geburtenrate eine Bedingung für Bevölkerungszahl | ||
| Bedingung / Folge | Rate / Zustandsgröße / Bezugspunkt | ||
| Name:
Erläuterung
des |
die politischen Strukturen im Untersuchungsgebiet sind
von es existiert ein Präsidialsystem (Verwaltungsstruktur):
der Bundesstaat Piauí bestand 1985 aus 11 Mikroregionen und 115 Munizipien (WAVES-Statusbericht Bd. I, S. 20) mit dem Wahlperiodendenken der Politiker wird verbunden, daß langfristige Planungsprozesse kaum stattfinden; Ziel der Politiker ist es, während der Amtszeit möglichst viel Ansehen durch pompöse Vorhaben zu erlangen (Sozialwissenschaftler) | politische Strukturen
sind eine Zustandsgröße | |
| politische Strukturen sind | |||
| Erläuterung der | politische und wirtschaftliche Strukturen bedingen sich gegenseitig | sowohl Bedingung als auch Folge wirtschaftlicher Strukturen | |
| Beziehung: | politische Veränderungen können zu Migration führen | eine Bedingung für Migration | |
| um staatliche Hilfsprogramme
aufzustellen, bedarf es politischer
Entscheidungen; staatlich geförderte Wasserbohrungen finden oft auf dem Landbesitz von Bürgermeistern statt, was auf die Verknüpfung von Politik und Macht hinweist | eine Bedingung für staatliche Hilfsprogramme | ||
| die Nachhaltigkeit der Wassernutzung
kann als Ziel in der
Naturschutzgesetzgebung festgelegt werden; nach Ansicht der Experten existiert in Brasilien eine recht gute Naturschutzgesetzgebung, allerdings läßt sich ihre Umsetzung nicht immer bewerkstelligen | über die Naturschutzgesetzgebung eine Bedingung für den Wassergebrauch | Naturschutzgesetzge- bung ist bezogen auf die politischen Strukturen eine Rate | |
| ferner können in der Naturschutzgesetzgebung Maßgaben zur Qualität des Trinkwassers festgelegt werden | über die Naturschutzgesetzgebung eine Bedingung für die Verbesserung der Qualität des Trinkwassers | Trinkwasserqualität ist ein Bezugspunkt |