Tabelle C: Ökonomie
| Bedingung / Folge | Rate / Zustandsgröße / Bezugspunkt | ||
| Name:
Erläuterung
des |
wirtschaftliche Strukturen schließen sowohl die regionalen Wirtschaftsgegebenheiten als auch die globale Weltmarktsituation ein die wirtschaftlichen Strukturen im Nordosten Brasiliens sind vorwiegend durch agrarische Produktion geprägt, der industrielle Sektor spielt nur eine untergeordnete Rolle; "stärker als der Industriesektor sind in Piauí Dienstleistungen und Handel etabliert (WAVES-Statusbericht Bd. I, S. 24) "Viele der neuentstandenen Industriebetriebe haben einen insularen Charakter. Sie produzieren mit großem Kapitaleinsatz und modernster Technologie inmitten einer kapitalarmen und technologisch gänzlich unterentwickelten Umwelt. Die Förderung von Klein- und Mittelbetrieben ist bisher noch ungenügend besonders im Bereich der Verarbeitung und Veredelung landwirtschaftlicher Produkte, welcher Grundlage für eine räumlich weit gestreute arbeitsintensive Industrie sein könnte." (WAVES-Statusbericht Bd. I, S. 23f) Infrastruktur, Verkehrsanbindung und Wirtschaftssystem sind
wesentliche Faktoren der wirtschaftlichen Strukturen in den ländlichen Regionen hat das nichtmonetäres
Tauschsystem
u.a. wegen der Inflation, aber auch weil es praktikabler ist den
größeren Stellenwert Widerspruch: Die Monetarisierung kennzeichnet den Prozeß der Modernisierung der ländlichen Produktionssysteme. Dies drückt sich dadurch aus, daß z.B. Pachtsysteme durch Lohnarbeitssysteme ersetzt werden oder daß Kleinbauern marktorientiert zu produzieren beginnen; durch beide Formen entsteht Geldeinkommen. Einen wichtigen Beitrag zur Monetarisierung der ländlichen Gesellschaft liefern staatliche Hilfsprogramme, die auf Kreditvergabe zielen oder direkte Lohnhilfen in Sonderarbeitsverhältnissen anbieten. Die Erfahrung zeigt aber, daß sich solche Monetarisierungsprozesse nur sehr zäh durchzusetzen beginnen. z.Zt. muß also im Nordosten zumindest mit Mischformen gerechnet werden. <Brühl 28.03.1996> | wirtschaftliche Strukturen sind eine Zustandsgröße | |
| wirtschaftliche Strukturen sind | |||
| Erläuterung der Beziehung: | politische und wirtschaftliche Strukturen bedingen sich gegenseitig | sowohl Bedingung als auch Folge politischer Strukturen | |
| . | die Wirtschaft im Nordosten Brasiliens ist im wesentlichen von agrarischen Strukturen geprägt | eine Folge der Landwirtschaft | . |
| . | durch Großgrundbesitzstrukturen
werden die wirtschaftlichen
Verhältnisse der Kleinbauern geprägt; Großgrundbesitzer verpachten oder verkaufen kleine Ländereien an Bauern; die strukturkonservative Haltung der agrarischen Großunternehmer äußert sich in der geringen Bereitschaft, ihre Gewinne für strukturverbessernde Maßnahmen zu intensivieren u. trägt so zur schwachen wirtschaftlichen Dynamik bei (WAVES-Statusbericht Bd. I, S.23) | eine Folge von Landbesitzstrukturen | |
| staatliche Hilfsprogramme werden aufgrund der wirtschaftlichen Benachteiligung einer Region initiiert, sie sollen dazu beitragen, daß die wirtschaftliche Situation verbessert wird | sowohl Bedingung als auch Folge staatlicher Hilfsprogramme | ||
| Einkommenssituation der
Landbevölkerung wird durch
wirtschaftliche Strukturen geprägt; 5% der brasilianischen Bevölkerung besitzen 95% der Betriebsmittel (alternative Industrieprogramme, z.B. in Ceará) | eine Bedingung der Einkommenssituation (der Landbevölkerung) | ||
| . | die Schaffung von Arbeitsplätzen setzt wirtschaftliche Strukturen voraus | eine Bedingung für Arbeitsplätze | . |
| globale wirtschaftliche Strukturen nehmen über den Weltmarktpreis für landwirtschaftliche Produkte Einfluß auf die Landwirtschaft (z.B. Baumwollboom, Kautschukboom etc.) | eine Bedingung für Landwirtschaft | ||
| "In Verbindung mit unterschiedlichen
naturräumlichen
Bedingungen ist die ungleiche Bevölkerungsverteilung zugleich
Ursache als auch Folge ökonomischer Aktivitäten."
(WAVES-Statusbericht Bd. I, S. 20) Orte ökonomischer Aktivitäten sind attraktiv für Ansiedlungen | sowohl Folge als auch Bedingung für Bevölkerungszahl | ||
| . | . | Bedingung / Folge | Rate / Zustandsgröße / Bezugspunkt |
| Name:
Erläuterung
des |
Landbesitzstrukturen umfassen sowohl die Großgrundbesitzstrukturen als auch die Besitzansprüche von Einzelbauern; Großgrundbesitzer verpachten oder verkaufen kleine Ländereien an Bauern, in kleinerem Umfang sind Bauern Landeigentümer in den östlichen Munizipien überwiegt der Anteil
illegaler (aber
geduldeter) Landbesitzer, die als Produzenten auftreten, während
im südlichen und südwestlichen Teil der Region der Anteil der
Eigentümer, die als Produzenten auftreten überwiegt. In den
nördlichen Regionen sind vorrangig (Wohn-)Pächter als
Produzenten vertreten; (Wohnpächter sind eine typische
Erscheinung in Piauí, sie sind auf dem untersten sozialen Niveau
angesiedelt) | ||
| . | . | Landbesitzstrukturen sind | . |
| Erläuterung der Beziehung: | Landenteignung (Ses-Marias-Recht) wird durchgeführt, wenn Land nicht mehr bewirtschaftet wird, das Land wird im Rahmen staatlicher Hilfsprogramme (Landreformprojekte) Kleinbauern zur Verfügung - allerdings zahlt der Staat für die Enteignung hohe Ablösesummen | eine Folge staatlicher Hilfsprogramme | |
| . | Großgrundbesitzer haben
erheblichen Einfluß auf die
wirtschaftlichen Strukturen; die strukturkonservative Haltung der agrarischen Großunternehmer äußert sich in der geringen Bereitschaft, ihre Gewinne für strukturverbessernde Maßnahmen zu intensivieren u. trägt so zur schwachen wirtschaftlichen Dynamik bei (WAVES-Statusbericht Bd. I, S.23) | eine Bedingung für wirtschaftliche Strukturen | |
| Landbesitz ist eine wesentliche
Voraussetzung, um
Landwirtschaft betreiben zu können (auch im Sinne der
Subsistenzwirtschaft); die wirtschaftlichen Verhältnisse der Kleinbauern werden durch Großgrundbesitzstrukturen geprägt; die Bedingungen der kleinbäuerlichen Produktion sind in starkem Maß von der Landbesitzstruktur abhängig, diese ist wiederum "Ausgangspunkt für eine bestimmte landwirtschaftliche Produktion, wobei der traditionelle Typ der Bewirtschaftung (wenig Dünge- und Maschineneinsatz, kaum Bewässerung) dominiert." (WAVES-Statusbericht Bd. I, S.21) | eine Bedingung für Landwirtschaft | ||
| . | durch Landbesitz erhält man auch Besitz an dem auf diesem Land befindlichen Wasser | eine Bedingung für Wasserbesitz | . |
| Arbeiter pachten Land, für das sie beim Grundbesitzer unentgeltlich arbeiten müssen; "Die Landbesitzstruktur bedingt eine bestimmte Sozialstruktur (Verhältnis von Eigentümern, Pächtern und Landarbeitern)" (WAVES-Statusbericht Bd. I, S.21) | eine Bedingung für soziale Strukturen | ||
| Bedingung / Folge | Rate / Zustandsgröße / Bezugspunkt | ||
| Name:
Erläuterung
des |
die Einkommenssituation umfaßt sowohl das
Erwerbseinkommen
als auch (z.T. nichtmonetäres) Einkommen aus der
Landwirtschaft, ferner müßten hier staatliche Transferleistungen
einbezogen
werden, diese wurden aber bislang im Rahmen des
WAVES-Projektes nicht erhoben (Land-)Besitz ist ausschlaggebend für das persönliche Ansehen der Bevölkerung Die Einkommenssituation der Kleinbauern ist insofern nichtmonetär organisiert, als wesentliche Teile des Einkommens auch heute noch tauschwirtschaftlich (Naturalien) zustande kommen bzw. über das in den Fazendas übliche Selbstversorgungssystem. Die Monetarisierung kennzeichnet den Prozeß der Modernisierung der ländlichen Produktionssysteme. Dies drückt sich dadurch aus, daß z.B. Pachtsysteme durch Lohnarbeitssysteme ersetzt werden oder daß Kleinbauern marktorientiert zu produzieren beginnen; durch beide Formen entsteht Geldeinkommen. <Brühl 28.03.1996> | Einkommenssituation ist
eine Zustandsgröße
Warenkorb / Kaufkraft | |
| Erläuterung der | die Einkommens- situation ist eine | ||
| Beziehung: | Landwirtschaft auch im Sinne der Subsistenzproduktion spielt für die Einkommenssituation der Landbevölkerung eine zentrale Rolle: Arbeiter pachten Land, für das sie beim Grundbesitzer arbeiten müssen; darüber hinaus erwirtschaften sie auf dem zur Verfügung gestellten Land ihren eigenen Unterhalt | Folge der Landwirtschaft | |
| Arbeitsplätze sind ein Mittel die Einkommenssituation zu verbessern, allerdings betrug 1985 das durchschnittliche Einkommen der Industriearbeiter in Piauí nur die Hälfte des Industriearbeiterdurchschnittslohnes der gesamten Nordostregion und nur ein Drittel des gesamtbrasilianischen Durchschnitts (WAVES-Statusbericht Bd. I, S. 23) | Folge von Arbeitsplätzen | ||
| die Einkommenssituation der Landbevölkerung wird durch wirtschaftliche Strukturen geprägt | Folge von wirtschaft- lichen Strukturen | ||
| wenn Wasserquellen in Besitz von Privateigentümern sind, kann durch "Verkauf" von Wasser ein zusätzliches Einkommen realisiert werden | Folge von Wasserbesitz | ||
| um die tiefer gelegenen qualitativ hochwertigen Grundwasservorkommen (in mehr als 100 m Tiefe) erschließen zu können, ist ein enormer Erschließungsaufwand notwendig, dieser und die entstehenden Wartungskosten können von vielen Kleinnutzern nicht getragen werden (Vgl. WAVES-Statusbericht Bd. I, S. 22f) | Bedingung für Wassergebrauch | ||
| eine unzureichende Einkommenssituation ist Auslöser für ökonomische und soziale Drucksituation sowie Verelendungsprozesse; die Bevölkerung hat nicht die Möglichkeit etwas zu sparen, das Erwerbseinkommen "reicht gerade zum Leben" | Bedingung für soziale und wirtschaftliche Drucksituation | ||
| wird die Einkommenssituation aussichtslos eingeschätzt, kann sie Migration zur Folge haben; die Hoffnung auf die Perspektive des ökonomischen "Bessergehens" ist für die Motivation des Abwanderns in eine größere Stadt ein wesentlicher Aspekt; sozialer Aufstieg durch Abwanderung | Bedingung für Migration | ||
| . | . | Bedingung / Folge | Rate / Zustandsgröße / Bezugspunkt |
| Name:
Erläuterung |
der Begriff Arbeitsplätze bezieht sich nur auf Erwerbsarbeitsplätze "Piauí ist ein industriell schwach entwickeltes Land mit einer durchschnittlichen Beschäftigungszahl von weniger als 10 Beschäftigten pro Unternehmen (1985 insgesamt 18.000 Beschäftigte) (WAVES-Statusbericht Bd. I, S.23) Stärker als die Industrie sind in Piauí Handel
und Dienstleistungen
vertreten, (Gesamtbeschäftigtenzahl 52.000 (1985)"wobei es vor
allem im Handel einen ausgeprägten informellen Sektor
('fliegende Händler', Straßenstände etc.) gibt." | ||
| Erläuterung | . | Arbeitsplätze sind eine | . |
| der Beziehung: | in einer agrarisch geprägten Wirtschaft sind die meisten Arbeitsplätze in der Landwirtschaft angesiedelt | Folge der Landwirtschaft | . |
| die Schaffung von Arbeitsplätzen setzt wirtschaftliche Strukturen voraus | Folge von wirtschaft lichen Strukturen | . | |
| . | durch staatliche Hilfsprogramme z.B. Wasserprojekte entstehen zumindest vorübergehend Arbeitsplätze | Folge von staatlichen Hilfsprogrammen | . |
| im Wasserversorgungsbereich
(Wasserbereitstellung) sind
Arbeitsplätze angesiedelt; beim Aufbau von Wasserversorgungs- systemen entstehen vorübergehend, aber nicht dauerhaft Arbeitsplätze | Folge der Wasserbereitstellung | ||
| Arbeitsplätze sind ein Mittel die Einkommenssituation zu verbessern, allerdings betrug 1985 das durchschnittliche Einkommen der Industriearbeiter in Piauí nur die Hälfte des Industriearbeiterdurchschnittslohnes der gesamten Nordostregion und nur ein Drittel des gesamtbrasilianischen Durchschnitts (WAVES-Statusbericht Bd. I, S. 23) | Bedingung für Einkommenssituation | ||
| . | die Schaffung von Arbeitsplätzen trägt zur Seßbarmachung bei | Bedingung für die Seßbarmachung | . |
| . | sowohl in der Landwirtschaft als auch in der industriellen Produktion geht mit Arbeitsplätzen der Gebrauch von Wasser einher | Bedingung für Wassergebrauch | . |
| . | . | Bedingung / Folge | Rate / Zustandsgröße / Bezugspunkt |
| Name:
Erläuterung
des |
gemeint sind alle Formen der staatlichen Unterstützung
im
Bereich der regionalen Entwicklung insbesondere
Wasserprojekte und Landreformprojekte; es besteht eine enge
Beziehung zwischen Landreform- und Wasserprojekten; | staatliche Hilfsprogramme sind eine Rate | |
| Erläuterung der Beziehung: | staatliche Hilfsprogramme sind eine | ||
| staatliche Hilfsprogramme werden
aufgrund der wirtschaftlichen
Benachteiligung einer Region initiiert, sie sollen dazu beitragen,
daß die wirtschaftliche Situation verbessert wird; "Die Förderung von Klein- und Mittelbetrieben ist bisher noch ungenügend besonders im Bereich der Verarbeitung und Veredelung landwirtschaftlicher Produkte, welcher Grundlage für eine räumlich weit gestreute und arbeitsintensive Industrie sein könnte." (WAVES-Statusbericht Bd. I, S. 23f) | Bedingung und Folge wirtschaftlicher Strukturen | ||
| um staatliche Hilfsprogramme
aufzustellen, bedarf es politischer
Entscheidungen; staatlich geförderte Wasserbohrungen finden oft auf dem Landbesitz von Bürgermeistern statt, was auf die Verknüpfung von Politik und Macht hinweist | Folge politischer Strukturen | ||
| staatliche Hilfsprogramme zielen häufig auf den Aufbau (Bohrung, Planung, Erschließung etc.)von Wasserversorgungssystemen (Wasserprojekte), der Hauptanteil der Kosten wird durch den Staat getragen; ein Teil wird dadurch gedeckt, daß im Rahmen von Landreformprojekten zukünftige Kooperativenbauern kostenfrei bei der Errichtung der Wasserversorgungsanlage mitarbeiten und so Anteile an der Anlage erwerben | Bedingung für Wasserbereitstellung | ||
| mit staatlichen Hilfsprogrammen (Projekte für: Arbeitsplätze, Landreform, Bildung, Gesundheit, infrastrukturelle Versorgung etc. sowie Umsiedlungsprogrammen) wird versucht, Seßbarmachung zu realisieren | Bedingung für Seßbarmachung | ||
| Landenteignung (Ses-Marias-Recht) wird durchgeführt, wenn Land nicht mehr bewirtschaftet wird, das Land wird im Rahmen staatlicher Hilfsprogramme (Landreformprojekte) Kleinbauern zur Verfügung - allerdings zahlt der Staat für die Enteignung hohe Ablösesummen | Bedingung für Landbesitzstrukturen | ||
| durch staatliche Hilfsprogramme z.B. Wasserprojekte entstehen zumindest vorübergehend Arbeitsplätze | Bedingung für Arbeitsplätze | ||
| durch staatliche Hilfsprogramme in Form von Beratungskampagnen kann die landwirtschaftliche Produktion erhöht bzw. effizienter gestaltet werden (dies betrifft allgem. Anbau- und Technisierungsformen, den Bewässerungslandbau, Kreditvergabe (etc.) (vgl. z.B. WAVES-Statusbericht Bd. I, S. 47) | Bedingung für Landwirtschaft |